Hashimoto: Wenn die Abwehr plötzlich angreift

Hashimoto: Wenn die Abwehr plötzlich angreift

Hashimoto-Thyreoiditis, oft einfach als Hashimoto bezeichnet, ist eine sogenannte Autoimmunerkrankung. Das heißt: Der Körper entwickelt eine chronische Entzündung, die ohne Einwirkung von außen entsteht. Das Immunsystem erkennt die Schilddrüse plötzlich nicht mehr als zum Körper gehörig an, behandelt sie wie ein Virus oder einen Fremdkörper und versucht, das Organ zu bekämpfen. In diesem Kampf unterliegt die Schilddrüse. Sie schrumpft nach und nach, wird immer weiter zurückgebildet und kann schließlich vollständig verschwinden.

Symptome der Hashimoto-Erkrankung

Die Hashimoto-Erkrankung äußert sich anfangs vereinzelt mit den typischen Symptomen einer Überfunktion der Schilddrüse wie Schwitzen, Herzrasen, Nervosität. Das liegt daran, dass im Anfangsstadium der Erkrankung die Hormone, die sich in der Schilddrüse befinden, durch den Abbau der Zellen passiv freigesetzt werden. Vorübergehend werden dann vermehrt Schilddrüsenhormone ins Blut ausgeschüttet, genau wie bei einer Überfunktion. – Aber eben nur vorübergehend.

»Im Anfangsstadium äußert sich Hashimoto oft mit den gleichen Symptomen wie eine Überfunktion. Erst nach einiger Zeit kippt die Symptomatik in die Unterfunktion.«

Sobald der Zellzerfall sich verlangsamt und sich dadurch auch der Hormonpegel im Blut wieder normalisiert, hören die Symptome der anfänglichen scheinbaren Überfunktion wieder auf. Der betroffene Patient fühlt sich dann vorerst wieder gesund, die Schilddrüse arbeitet annähernd normal. Irgendwann geht die Schilddrüse dann in einem schleichenden Prozess über Monate und Jahre in eine Unterfunktion. Nach und nach baut das Immunsystem immer mehr Schilddrüsenzellen ab, und die Schilddrüse kann nicht mehr ausreichend die lebensnotwendigen Hormone bereitstellen.

Wie erfolgt die Diagnose?

Wenn eine Hashimoto-Entzündung vorliegt, zeigt sich das meist im Blutbild des Betroffenen. Ist der Blutspiegel von Schilddrüsen-Antikörpern erhöht, ist das ein wichtiges Zeichen für die Hashimoto-Entzündung. Außerdem wird zur Abklärung die Schilddrüse immer per Ultraschall (Sonografie) untersucht. Zeigt sich die Schilddrüse hier dunkelfleckig oder schwarz, ist das fast schon sicher der Hinweis auf eine Hashimoto-Entzündung.

Die Behandlung der Hashimoto-Thyreoiditis

Als Folge des Organabbaus entsteht ein Hormonmangel, der ausgeglichen werden muss. Das ist problemlos möglich, indem der betroffene Patient regelmäßig morgens nüchtern Schilddrüsenhormontabletten einnimmt. Diese Tabletten gibt es in verschiedenen Stärken, und je nach Stadium der Erkrankung wird zunächst mit einer schwächeren Tablettendosis begonnen, die im Verlauf der Erkrankung langsam gesteigert wird.

Wenn schließlich die Schilddrüse einmal vollständig abgebaut ist, muss der Patient die Hormone in entsprechend höherer Dosis einnehmen und kann dadurch die fehlende körpereigene Hormonproduktion komplett ersetzen.

Selen in der Schilddrüsenbehandlung

Vor einigen Jahren wurde in mehreren Versuchen festgestellt, dass Selen sich zum Teil positiv auf die Hashimoto-Erkrankung auswirken kann. Bei etwa 30 % der Testpatienten wurde durch die Gabe von Selentabletten ein Rückgang der Antikörper, die für den Angriff auf die Schilddrüse verantwortlich sind, beobachtet. Ein tatsächlich langfristiger Behandlungserfolg durch Selen, also eine vollständige Heilung, war aber nicht zu erreichen.

Trotzdem ist Selen in der Therapie nicht komplett out: Zur begleitenden Behandlung von Symptomen und Nebenwirkungen, die durch den Hormonausgleich nicht verschwinden, ist Selen nach wie vor ein beliebtes und sehr effektives Mittel. Da Studien einen Zusammenhang zwischen langfristiger Einnahme von Selen und erhöhtem Diabetesrisiko nahelegen, sollte die ergänzende Gabe von Selentabletten aber möglichst nur über einen beschränkten Zeitraum erfolgen.

Regelmäßige Kontrolluntersuchungen

Mit den genannten Mitteln lässt sich Hashimoto in aller Regel sehr gut therapieren, sodass die Betroffenen ihre Erkrankung gar nicht mehr spüren. Von Zeit zu Zeit muss die Dosis der eingenommenen Schilddrüsenhormone überprüft und gegebenenfalls angepasst werden. Um den Verlauf der Erkrankung im Blick zu behalten, findet einmal im Jahr eine Kontrolluntersuchung statt. Dabei werden die Blutwerte analysiert, und der Zustand der Schilddrüse wird per Ultraschall überprüft.

Ist das Organ im Vergleich zur letzten Untersuchung weiter geschrumpft, muss meist auch die Dosis der Hormone gesteigert werden. Wichtig für die Festlegung der Dosis sind dabei aber nicht nur die reinen Blutergebnisse, sondern auch das Befinden des Patienten. Manchmal sind die Blutwerte in Ordnung und würden für sich betrachtet keine Anpassung der Hormondosis erfordern, und doch klagt der Patient immer noch über Symptome einer Unterfunktion. Auch in diesem Fall kann eine Dosisanpassung durchaus erforderlich werden.

Ursachen für eine Hashimoto-Erkrankung
und besondere Risikogruppen

Eine besondere Hashimoto-Risikogruppe sind die Japaner (nicht zuletzt sicher der Grund, weshalb die Erkrankung auch durch einen Japaner entdeckt wurde). Das liegt unter anderem an dem in Japan sehr hohen Konsum von Frischfisch und Algen – Nahrungsmittel, die große Mengen Jod enthalten. Der durchschnittliche Japaner hat durch diese Ernährungsweise einen hohen Jodspiegel im Blut, der ein Risiko für die Hashimoto-Entzündung darstellt.

Darüber hinaus haben Menschen mit Trisomie 21 (Down-Syndrom) fast immer auch eine chronische Schilddrüsenentzündung. Eine weitere »Ursache«, wenn man so will, für Hashimoto scheint zudem die Schwangerschaft zu sein. Es gibt immer wieder Fälle, in denen eine Frau vor der Schwangerschaft kerngesund ist und nach der Geburt des Kindes plötzlich Symptome wie Haarausfall und starke Gewichtszunahme entwickelt. Diese Gruppe der Hashimoto-Erkrankung wird Postpartum-Thyreoiditis genannt. Aber auch unabhängig von Schwangerschaften sind Frauen deutlich häufiger von Hashimoto betroffen als Männer.

»Frauen sind deutlich häufiger von einer
Hashimoto-Entzündung betroffen als Männer.«

Kann man Hashimoto vorbeugen?

Abgesehen von dem begünstigenden Faktor einer extrem jodhaltigen Ernährung sind bislang keine eindeutigen Ursachen für die Entwicklung einer Hashimoto-Entzündung geklärt. Insofern lassen sich nach derzeitigem Stand auch keine konkreten Empfehlungen zur Vorbeugung geben.

Für die Gesundheit – nicht nur der Schilddrüse – sehr zu empfehlen ist natürlich eine ausgewogene Ernährung mit frischen Nahrungsmitteln. Dabei sollten Sie darauf achten, genügend Jod in Form von Frischfisch zu sich zu nehmen, aber eben auch nicht übermäßig. Man vermutet, dass bei einer eventuellen genetischen Vorbelastung (wenn Hashimoto in der Familie bereits häufig aufgetreten ist) das Erkrankungsrisiko dadurch gemindert werden kann.


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